Bitterkräuterlexikon

Unsere 49 Kräuter im Detail

Sie möchte detailliert wissen welche Kräuter in unsere Bitterkräutermischung ANCENASAN(r) herbal ist? Dann sind Sie hier genau richtig. Wir werden stätig unser Kräuterlexikon erweitern

Wer sagt denn, dass sich nur solche Pflanzen zum Essen eignen, die auf der Erde wachsen? Die Flora der Gewässer ist ebenso vielfältig und teilweise um ein vielfaches nahrhafter als die am Lande. In den meisten Ländern Europas sind Algen in der Ernährungstradition gänzlich unbekannt. Außnahmen bilden da nur Irland, Frankreich und einige Küstengebiete. Algen finden bei uns hingegen erst seit wenigen Jahrzehnten Beachtung auf dem Teller durch den Einzug verschiedener asiatischer Spezialitäten, insbesondere des Sushi. Sie sind aber immer noch ein Nischenprodukt.

In fernöstlichen Ländern wie Japan, Korea und China bilden Algen allerdings einen festen Bestandteil der täglichen Ernährung. In Japan haben, wo gesunde Ernährung einen hohen STellenwert hat, machen sie sogar einen Anteil von bis zu 10 Prozent aus [1,2]. Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass Algen teilweise extrem hohe Mengen an Jod anreichern können, die wir im Jodmangelgebiet Deutschland nicht gewohnt sind. Bei Verzehr dieser extrem jodreichen Algen können unerwünschte Körperreaktionen auftreten. Außerdem können Algen, die besonders viele wünschenswerte Mineralstoffe und wichtige Spurenelemente liefern, auch Schwermetalle anreichern. Was spricht dennoch für Algen in unserer Ernährung? Wie und welche Sorten sollten wir möglicherweise in einem sinnvollen Maß auch bei uns integrieren?

Kleine Warenkunde

Algen gibt es in vielfältigen Variationen. Hauptsächlich finden wir Meeresalgen als Gemüse auf unseren Tellern. Diese sind ausgesprochen mineralstoffreich, zeichnen sich insbesondere durch hohe Gehalte an Calcium, Magnesium und Kalium aus und sind hervorragende Quellen für seltene Spurenelemente, allem voran Jod. Außerdem sind sie protein- und ballaststoffreich, weisen eine günstige Fettsäurezusammensetzung auf und sind reich an Chlorophyll (siehe Chlorophyll – ein Farbstoff für Gesundheit und Schönheit). Und dann gibt es auch noch die Mikroalgen, die eigentlich sog. Cyanobakterien sind, also Bakterien, die wie Pflanzen Photosynthese betreiben können. Diese Algen finden wir ausschießlich als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver, Tabletten oder in Kapselform. Fangen wir mal mit der bekanntesten Alge an…

 

Nori

 Wer schon einmal Sushi probiert hat, der weiß, dass diese japanische Spezialität kaum ohne die Ummantelung aus Nori-Algen (Porphyra umbilicalis und andere Porphyra-Arten) auskommt. Diese Rotalgen werden zu rechteckigen papierartigen Blättern geformt und geröstet, wodurch sie schließlich ihre dunkelgrüne Farbe annehmen. Sobald sie mit dem gekochten Sushi-Reis bedeckt und anschließend zu den sogenannten Maki-Rollen geformt werden, weichen die Algenblätter auf und sind sofort genießbar. Die Nori-Blätter sind übrigens genormt auf 19 x 21 Zentimeter und pro Blatt 2,5 Gramm leicht. Man kann die bei der Sushi-Zubereitung eventuell zerkrümelten oder abgebröselten Teile der Nori-Blätter (im Handel auch als Nori-Flocken erhältlich) noch anderweitig verwenden, z.B. als wertvolle Streuwürze in Suppen. Als Rotalgen haben Nori einen moderaten Jodgehalt, sodass sie bedenkenlos in die tägliche Ernährung eingebaut werden können (jedoch nicht mehr als drei bis sechs Blätter pro Tag).

 

Laver

 In Form von Sushi ist Nori zwar trendiger, aber es muss nicht immer fernöstlich sein, wenn man in den Genuss dieser Rotalge kommen möchte. Traditionell wird die gleiche Algenart in Wales und Irland, dort „Laver“ oder „Sloak“ genannt, als sogenanntes „Laverbread“ mit Toast und Muscheln („Cockles“) oder Würstchen und Speck sowie Pilzen zum Frühstück verzehrt [8]. Nach der Ernte an der Westküste Großbritanniens und der Südküste Irlands werden die Algen gewaschen und gekocht bis sie weich sind. Anschließend werden sie gehackt oder püriert, sodass eine dickliche grün-schwarze Paste entsteht, die als kleiner Fladen serviert wird. Je nach Rezept wird der Algenfladen noch in Haferflocken oder -mehl gewälzt.

Den Ursprung hat Laverbread im frühen 19. Jahrhundert als im Zuge der Industrialisierung die körperlich schwer arbeitenden Kumpel viel Energie benötigten. Fett- und proteinreiche Würstchen bzw. Speck sowie vitamin- und mineralstoffreiche Algen bieten da eine solide Grundlage.

 

Dulse

eingeweichte Dulse-Algen

eingeweichte Dulse-Algen

Dulse (Palmaria palmata und Rhodymenia palmata) gehören wie Nori bzw. Laver zu den Rotalgen und sind mit ihrer purpurroten Farbe ein Blickfänger. Sie eignen sich als Beilage für Gemüsegerichte, Salate und Fischgerichte oder als Suppenbeilage. Ein Tipp einer bekannten Naturkost-Marke lautet: „Kross angebraten und mit Tamari abgelöscht können Dulse als veganer ‘Bacon’ vielen Gerichten besondere Geschmacksnote verleihen!“[9]

 

Meeressalat

Diese leuchtend hellgrünen Algen werden nicht umsonst Meeressalat, Meersalat oder Meerlattich (Ulva spp.) genannt. Die Ähnlichkeit mit Blattsalat ist verblüffend und die Alge nennt man in der Bretagne, in deren kühlen Gewässern sie vornehmlich wächst, „Lechuga de Mar“, also Kopfsalat des Meeres [10]. Wie alle Algen hat sie einen typischen Geschmack nach Meer, ist weich, aber dennoch knackig und die Farbe dieser Grünalge setzt auf dem Teller leuchtende Akzente. Anders als manch andere Algen kann diese auch roh verzehrt werden, und sie weist wie Rotalgen einen moderaten Jodgehalt auf.

Aufgrund der starken Düngung durch die industrielle Landwirtschaft in Frankreich und der damit einhergehenden Ausschwemmung von Nitraten ins Meer, sprießt die Alge seit den letzten Jahrzehnten besonders gut (da Nitrate als Stickstoffquelle von Pflanzen genutzt werden), in manchen Gebieten sogar plagenartig, wie die Süddeutsche Zeitung 2011 berichtete [11]. Ein Grund mehr, die proteinreiche Alge des Öfteren auf den Speiseplan zu setzen, um der Plage durch Auffuttern Herr zu werden. 🙂

 

Meeresspaghetti

 Meeresspaghetti bzw. Riementang (Himanthalia elongata) ist eine Braunalgenart, die in langen unverzweigten Strängen wächst und deshalb wie schwarze Spaghetti aussieht. Die Stränge haben einen festen Biss und werden hauptsächlich wegen ihres schönen Aussehens verwendet. Als Braunalgen haben sie eine nicht zu verachtende Jodmenge, weshalb man sie nicht tellerweise wie gewöhnliche Spaghetti sondern nur als Beilage verzehren sollte. Seit 2014 sind diese Algen übrigens als erstes Algenprodukt überhaupt in von Naturland zertifizierter Bio-Qualität aus Kultivierung in Frankreich erhältlich [9].

 

Wakame

eingeweichte geschnittene Wakame-Algen

eingeweichte geschnittene Wakame-Algen

Wakame (Undaria pinnatifida) gibt es im Handel aus unterschiedlichen Pflanzenteilen. Zum einen gibt es die meist in getrockneter Form dunkelgrünen breiten geschnittenen Blätter, die eine unerlässliche Zutat der Miso-Suppen bilden. Zum anderen gibt es häufig im Supermarkt in der Feinkost- bzw. Fischtheke einen Wakame-Salat aus den dünneren und festeren „Wurzeln“ der Alge. Die Farbe ist heller und leuchtender. Dieser untere Teil der Pflanze wird auch Mekabu genannt, hat ein stärkeres Aroma als die Blätter und weist mehr Mineralstoffe auf. Mekabu wird als kleiner Salat bzw. als Gemüsebeilage verzehrt [13].

 

Hijiki

getrocknete Hijiki-Algen

getrocknete Hijiki-Algen

Hijiki (Hizikia fusiformis) sind Meeresspaghetti ähnlich, jedoch sind diese Braunalge vielfach verzweigt, sodass sie nach dem Kochen eher kurzen schwarzen Nudeln oder Spätzle ähneln. Im Vergleich zu anderen Algen ist die Zubereitungszeit der getrockneten Hijiki mit ca. einer Stunde (einweichen und kochen) relativ lang. Wer aber das intensive Aroma nach Meer und Fisch mit einer leicht süßlichen Anisnote nicht missen möchte, wird dies gerne in Kauf nehmen, zumal wieder die Optik der mit dieser Alge zubereiteten Speisen ein schlagendes Argument darstellt. Der Jodgehalt ist im Vergleich zu anderen Braunalgen moderat, aber höher als bei Rotalgen.

 

Arame

Arame (Eisenia bicyclis) ist eine Braunalge mit hohen Jodmengen. Man kann sie in Suppen, als Salat oder als Gemüsebeilage zu Tofu, Reis oder Hirse verwenden. Sie hat einen milden, zart-würzigen oder leicht süßlichen Geschmack [5,15]. Anders als die anderen bisher vorgestellten Algen sollten Arame wegen ihres hohen Jodgehalts immer gewaschen bzw. eingeweicht und ausgespült werden, da Jod teilweise wasserlöslich ist und auf diese Weise der Gehalt reduziert werden kann.

 

Kombu/Kelp

getrocknete Kombu-Algen

getrocknete Kombu-Algen

Das Schwergewicht im Jodgehalt ist die Braunalge Kombu (Laminaria digitata oder Laminaria saccharina). Aus Japan importierte Kombu sind aufgrund ihrer starken Jodanreicherung in Deutschlang als Lebensmittel nicht zugelassen (werden deshalb meist als Badezusatz verkauft) [14]. Die nordatlantische Sorte, die Kelp bezeichnet wird [7], kann einen Ersatz bieten. Aufgrund des sehr hohen Jodgehalts sollte man diese Alge unbedingt nur verzehren, wenn auf der Verpackung Referenzwerte angegeben sind. Ansonsten eignet sie sich zum Auskochen einer „Algenbrühe“ (Dashi), nachdem man die Alge unter fließendem Wasser abgespült und eingeweicht hat (zur Jodreduktion). Grundsätzlich sollte man sehr vorsichtig dosieren, wenn man keine Erfahrung mit Algenverzehr hat und Kombu erst als letztes Algenprodukt in die Ernährung einbauen. Nur ein Gramm der getrockneten Alge kann bereits das Siebenfache oder sogar mehr der empfohlenen Tageshöchstverzehrmenge an Jod liefern. Empfindliche Personen sollten deshalb lieber auf den Genuss verzichten.

Eine andere beliebte Art der Verwendung ist das Mitkochen der Alge mit anderen Lebensmitteln, insbesondere mit Hülsenfrüchten, da diese dadurch weicher und schmackhafter werden. Kombu hat nämlich einen würzigen Geschmack, der von hohen natürlichen Gehalten an Glutaminsäure (verantwortlich für die Geschmacksrichtung „umami“ = jap. köstlich) ausgeht. In synthetischer Form bezeichnet man diese Substanz als Glutamat. Im natürlichen Lebensmittelverbund hat die Glutaminsäure jedoch keine nachteiligen Effekte, die Glutamat sonst mit sich bringen kann (China Restaurant Syndrom oder nicht aufhören können mit dem Essen) [15].

 

Die Mikroalgen Chlorella, Spirulina und AFA-Algen

 Unter gänzlich anderen Gesichtspunkten als die oben beschriebenen Meeresalgen muss man die Blaualgen (oder Blau-Grün-Algen) wie Chlorella, Spirulina und AFA-Algen betrachten, da sie sich deutlich von dem Meeresgemüse unterscheiden. Es handelt sich nämlich um sog. Cyanobakterien, also Bakterien, die wie Pflanzen Photosynthese betreiben und dadurch ihre Energie gewinnen. Als Bakterien bilden sie keine makroskopische Struktur aus, sodass man sie lediglich getrocknet als Pulver, in Kapseln oder als Presslinge/Tabletten erwerben und als Nahrungsergänzungsmittel verwenden kann. Mikroalgen werden außerdem zur Gewinnung von Algenöl, einer veganen Alternative zu Fischöl mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, verwendet [16]. Da sie nicht im Meer gedeihen sondern in Süßwasser (bzw. in salzigen Seen, wie Spirulina), muss man dementsprechend keine Sorge vor zu hohen Jodmengen haben. Stattdessen werden diesen Algen viele andere gesundheitlichen Eigenschaften zugesprochen.

Chlorella soll die Eigenschaft besitzen, die Schwermetallausleitung zu unterstützen. Spirulina weist eine hohe Nährstoffdichte sowie einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren auf. AFA-Algen sollen harmonisierend auf das Nervensystem wirken [17]. Alle Arten sind sehr eiweißreich (>60%) und besitzen zudem eine große Menge Chlorophyll.

Immer wieder in der Diskussion ist die Frage, ob Mikroalgen für den Menschen verwertbares Vitamin B12 aufweisen, das für viele Menschen und insbesondere Veganer ein Problemvitamin ist, da es eigentlich nur in tierischen Produkten vorkommt und für ein funktionierendes Nervensystem und die Blutbildung äußerst wichtig ist. Wissenschaftler sind sich in der Hinsicht noch nicht einig, da sich der Forschungsstand in den letzten Jahren diesbezüglich immer wieder geändert hat – mal war es echtes Vitamin B12, mal nur Analoga, das die Algen enthalten sollten. Zurzeit ist man der Ansicht, dass nur Chlorella „echtes Vitamin B12“ enthalte [18,19,20], wobei dies noch ausführlich bestätigt werden muss. Auf jeden Fall sollte man sich als Veganer, Risikopatient oder bei einem bestehenden Mangel nicht darauf verlassen und unbedingt immer auf sichere Supplemente zurückgreifen.

Ein weiteres Manko ist häufig eine mangelhafte Qualität der im Handel erwerblichen Mikroalgenprodukte. So sind viele AFA-Algen-Präparate mit giftigen Microcystinen belastet, die Leber, Niere und Gehirn schädigen [21]. Außerdem können Mikroalgen trotz ihres in Relation hohen Gehaltes an Vitalstoffen und Eiweiß die Ernährung nur ergänzen, da man verhältnismäßig viele Kapseln oder Presslinge schlucken muss, um sich relevante Mengen an Nährstoffen zuzuführen. Um zum Beispiel auf die Menge Eiweiß einer Mahlzeit mit Spirulina-Presslingen zu kommen, müsste man z.B. 30 bis 60 Stück schlucken (ca. 10 bis 20 Gramm Eiweiß). Sie sind also eher dazu geeignet, sich mit Chlorophyll zu versorgen oder zum Beispiel als „gesunder“ Ausgleich an Tagen, an denen man keine Möglichkeit hat, frisches und vitalstoffreiches Gemüse und Grünzeug zuzubereiten.

 

Algen in unserer Ernährung

Nachdem ich nun die verschiedenen Algenarten vorgestellt habe, möchte ich nun auf die Relevanz von Algen in unserer Ernährung eingehen, wobei ich mich auf die Meeresalgen beschränken werde, da sie eher wie Gemüse und weniger wie Nahrungsergänzungsmittel auf unseren Tellern landen.

Noch einmal zusammengefasst zählen zu den Kandidaten mit moderaten Mengen an Jod die Rotalgen wie Nori bzw. Laver sowie Dulse und die Grünalgen wie Meeressalat. Braunalgen wie Wakame, Hijiki, Meeresspaghetti, Kombu oder Arame können je nach Standort moderate bis hohe oder sogar extreme Jodmengen anreichern, weshalb bei diesen Algen besondere Sorgfalt und Vorsicht beim Einkauf sowie deren Zubereitung geboten ist. Genaue Jodangaben für eine Algensorte lassen sich nur schwer ermitteln, da diese so stark schwanken können. In der Tabelle unten werden jedoch die relevanten Verhältnisse deutlich.

Da die Jodgehalte so hoch werden können, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR in seinem Bericht „Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen“ von 2004 bestimmte Algen als nicht verkehrsfähig eingestuft. Das bedeutet z.B. für die Kombu-Alge, dass diese nicht als Lebensmittel verkauft werden darf. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Die Tageshöchstaufnahme an Jod sollte 600 Mikro(!)gramm, also 0,6 Milligramm, bei gesunden Erwachsenen längerfristig nicht überschreiten [12]. Dies entspricht z.B. sechs Nori-Blättern, ca. drei Teelöffel getrocknete Wakame (drei Gramm) oder gerade einmal nur 0,14 Gramm getrocknete Kombu (bezogen auf die Werte in der Tabelle mit getrockneten Algen unten). Beim Einkaufen sollte deshalb auf der Verpackung unbedingt eine Jodangabe des Algenprodukts und auch eine Angabe über die Verzehrmengen vermerkt sein, weil nur dann die Jodgehalte regelmäßig geprüft werden und der Gehalt gewährleistet werden kann.

tabelle_algen

Hält man sich nicht an die empfohlenen Verzehrmengen und verzehrt Algen in einem Übermaß (der sehr schnell erreicht werden kann), droht durch das viele Jod ein Schock für die Schilddrüse. Harmlose Symptome sind da zum Beispiel nächtliches Schwitzen oder Unruhe, im schlimmsten Fall kann sich daraus eine Schilddrüsenfunktionsstörung entwickeln.

Trotz der vielen Warnungen bzgl. der Jodgehalte, muss man auch die positiven Aspekte hervorheben. Nicht nur für Vegetarier und Veganer stellen Algen eine wunderbare Jodquelle dar, wenn man sich an die empfohlenen Verzehrmengen hält. Algen sind allemal eine bessere, da natürliche Versorgung mit Jod, als dies jodiertes Speisesalz vermag. Salz ist gerade einmal so jodiert, damit die Mindestversorgung sichergestellt ist. Verzehrt man aber für eine ausreichende Jodversorgung in Folge mehr Salz, kommen die negativen Aspekte durch den zu hohen Salzkonsum zum Tragen. Gewissenhaftigkeit im Umgang mit Algen ist also das A und O, um sich optimal zu versorgen.

Des Weiteren empfehle ich, Algen lieber von Herstellern zu beziehen, die die Herkunft der Algen (z.B. Frankreich oder Nordatlantik) angeben und die generell gut deklariert sind. Diese sind auch sicher bezüglich etwaigen Belastungen mit Schwermetallen, die immer wieder in der Diskussion sind. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Algen ballaststoffreich sind (mit einem hohen Anteil löslicher Ballaststoffe) und etwaige Schwermetalle deshalb eher nicht vom Organismus aufgenommen, sondern an die Ballaststoffe gebunden bleiben und wieder schnell ausgeschieden werden.

 

Sind Algen nun Superfoods?

 Man bezeichnet ein Lebensmittel als Superfood, wenn es mit besonderen Gesundheitsvorteilen aufwarten kann. Meistens bedeutet dies, dass das Lebensmittel eine verhältnismäßig hohe Nährstoffdichte besitzt. Bei Algen ist das durchaus der Fall. Hinzu kommt, dass das Spektrum an Vitaminen und Mineralstoffen äußerst breit ist [3]. So benötigt man zum Beispiel nur 8 Gramm Trockengewicht vom Meeressalat, um mit 260 Milligramm [3] ca. ein Viertel des Tagesbedarfs an Calcium oder mit 372 Milligramm [3] den vollen Bedarf an Magnesium laut DGE [22] zu decken (der Referenzwert für Calcium liegt bei 1000mg und Magnesium bei 350-400mg). Allerdings liefern 8 Gramm des Meeressalats auch schon 1,3 Milligramm Jod [3], was mehr als die doppelte empfohlene Tageshöchstverzehrmenge ist. Und bei diesen Mengen stellt zumindest der Meeressalat einen Schilddrüsen-Schocker dar (ganz zu schweigen von Kombu bzw. Kelp oder Arame), was bedeutet, dass 4 Gramm genügen müssen.

Wenn wir von Mikroalgen sprechen, so liefern auch diese erstaunlichen Mengen an Nährstoffen. Von Spirulina benötigt man z.B. nur etwa 15 Gramm (30 Presslinge á 0,5 Gramm) um etwa die Hälfte des Tagesbedarfs an Magnesium zu decken. Die gleiche Menge liefert auch etwa ein Fünftel des Tagesbedarfs an Eisen oder etwa das fünffache an Vitamin K und beachtliche Mengen an Chlorophyll.

Mein Fazit ist also, dass Meeresalgen vor allem bezüglich ihres Jodgehalts ein Superfood sind, und sowohl Meeres- als auch Mikroalgen mit dem hohen Vitamin-, Mineralstoff- und Chlorophyllgehalt sowie einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Form von DHA und EPA eine Bereicherung in unserer Ernährung darstellen. Ganz besonders für Vegetarier und Veganer sind Meeresalgen eine wertvolle Jodquelle, die mehrmals die Woche auf den Teller kommen sollte – in den empfohlenen Mengen natürlich. Bei allen Algen – Meeresgemüse sowie Mikroalgen – sollte sorgsam auf die Qualität geachtet werden, um Verunreinigungen, Gifte oder unerwünscht hohe Jodgehalte weitestgehend auszuschließen.

Der kleine Bruder des Knoblauchs feiert sein Comeback in der Küche. Das aromatische Wildgemüse steckt voller gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe. Jetzt beginnt die Saison, und wir waren im Rahmen der diesjährigen Ausbildung zum ganzheitlichen Ernährungstrainer auch schon fleißig im Deister sammeln.

Bärlauch gehört zu den ersten grünen Frühlingsboten – von Mitte März bis Anfang Mai breiten sich seine zarten Blätter oft flächendeckend in lichten Wäldern aus und locken Kenner und Genießer in die wieder erwachte Natur. Der Bärlauch ist eine altbekannte Wild-, Gewürz- und Heilpflanze. Die Pflanze ist komplett essbar, genutzt werden aber vorwiegend die Blätter –  als Gewürz, für Pesto oder ganz allgemein als Gemüse in der Frühjahrsküche. Mit seinem würzigen, leicht scharfen Aroma gibt Bärlauch einer Vielzahl von Gerichten eine unverwechselbare Note.

Dort, wo Bärlauch wächst, verströmt er weithin einen knoblauchähnlichen Duft. Er gehört zur Gattung der Zwiebelgewächse („Allium“) und ist mit Knoblauch, Schnittlauch und Zwiebel verwandt. Tatsächlich enthält Bärlauch 30 Prozent mehr schwefelhaltige ätherische Öle als Knoblauch. Diese geben ihm seinen charakteristischen Geschmack und sind, neben Vitaminen und Mineralstoffen, für eine Vielzahl heilender Wirkungen verantwortlich. In der Naturheilkunde wird Bärlauch vor allem bei Magen- und Darmstörungen eingesetzt. Er hilft bei Gärungsprozessen im Darm wie Blähungen und krampfartigen Schmerzen und gilt als appetitanregend, galletreibend, cholesterinsenkend, entschleimend und gefäßerweiternd. Generell kräftigt Bärlauch den Körper und soll zur Entschlackung beitragen.

Bärlauch eignet sich darum hervorragend, um im Rahmen einer Frühjahrskur Darm und Stoffwechsel zu mehr Leistung anzuregen. Zusammen mit Brennnessel und Löwenzahn wird die Wirkung noch verstärkt. Der hohe Anteil an Vitamin C hilft, das Immunsystem zu stärken. Adenosin erweitert die Gefäße und verhindert, dass die roten Blutkörperchen verkleben. Die Durchflussgeschwindigkeit des Blutes steigert sich und weckt die Lebensgeister.

Besonders wichtig sind die Auswirkungen des Bärlauchs auf Magen und Darm: Er heilt nachweislich eine erkrankte Darmflora. In rohen und klein geschnittenen Blättern oxidiert der schwefelhaltige Inhaltsstoff Alliin zum medizinisch wirksamen Allicin. Dieses Allicin ist ein natürliches Antibiotikum, das gezielt Darmpilze, die der natürlichen Darmflora fremd sind, abtöten kann. Da Bärlauch die nützlichen Pilzstämme im Darm verschont, kann eine natürliche Darmflora wieder aufgebaut werden. Traditionell wird Bärlauch auch bei Darmparasiten eingesetzt.

Heute kommt Bärlauch wegen der Umweltbelastungen als Entgiftungsmittel eine immer größere Bedeutung zu. Bärlauch ist geeignet, um Schwermetalle wie Quecksilber nach einer Amalgamsanierung auszuleiten.

Seinen Namen hat der Bärlauch (Allium ursinum) übrigens der Legende nach erhalten, weil er Bären (Ursidae) nach dem Winterschlaf als erste Nahrung diente. Die Menschen hofften, sich mit dem Verzehr von Bärlauch selbst Bärenkräfte einverleiben zu können. Womit sie ja nicht so falsch lagen.

Tipps für Sammler

wanderungEigentlich muss man heute nicht mehr mit dem Korb unter dem Arm in den Wald wandern, um in den Genuss von Bärlauch zu kommen. Viele Gemüsehändler haben das gesunde Wildkraut saisonal im Angebot. Wer aber Spaß am Sammeln hat, sollte darauf achten, nur knackige und makellose Blätter zu pflücken. Auf der Unterseite können sich Larven befinden, und auch zu Stellen mit Tierkot ist wegen eines möglichen Fuchsbandwurmbefalls Abstand zu halten. Es versteht sich von selbst, dass die Pflanzen nie mit der Zwiebel ausgerissen werden und Knospen und Blüten geschont werden, auch wenn man sie mitessen könnte. Damit sich die Pflanzen wieder erholen können, sollten außerdem nur jeweils einzelne Blätter gepflückt werden. Am besten verwendet man Bärlauch roh und möglichst gleich nach der Ernte, um Vitaminverluste durch Hitze und lange Lagerzeiten zu vermeiden. Im Kühlschrank sollte Bärlauch in einem feuchten Tuch oder in einem Plastikbeutel aufbewahrt werden. Eingelegt in Öl, ist er gekühlt fast unbegrenzt haltbar – die ätherischen Öle machen ihn fast immun gegen Bakterien.

Vorsicht, der Bärlauch hat zwei sehr giftige Doppelgänger! Das Maiglöckchen und die Herbstzeitlose haben einen sehr ähnlichen Wuchs. Man kann Bärlauch am knoblauchartigen Geruch erkennen, wenn man ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt. Das funktioniert aber nur einmal, weil der Geruch an den Fingern haften bleibt. Besser man macht die Hörprobe: Die Blätter des Bärlauchs knacken, wenn man sie bricht.

Brennt, heilt und schmeckt

Sie wächst und wuchert auch da, wo man sie nicht unbedingt haben möchte, und wenn man sie berührt, hinterlässt sie auf der Haut unangenehm brennende Pusteln – Kein Wunder, dass viele die Brennnessel nur als ein lästiges Unkraut betrachten. Doch die Brennnessel ist eine Heilpflanze und eines der gesündesten Lebensmittel, die es gibt. Als Powerfood wird sie in der gesundheitsbewussten Küche gerade wiederentdeckt.

Unkraut vergeht nicht, sagt man. Im Fall der Brennnessel ist das ein Glück. Wehrhaft widersteht sie allen Versuchen, ihr mit Hacke und Spaten zu Leibe zu rücken. Sie hat wahrlich Besseres verdient, als auf dem Abfall zu landen. Sie ist eines der ältesten Heilmittel der Menschheit. Die Brennnessel ist ein Wildkraut, das sich außerdem sehr gut als gesundes Nahrungsmittel eignet. Frühere Generationen wussten sich in mageren Zeiten noch mit Brennnesseln das Überleben zu sichern. Irgendwann ist deren Einsatz als Gemüse dann aber als „Arme-Leute-Essen“ aus der Mode gekommen.

Kulinarisch lohnt sich die Entdeckung der Pflanze unbedingt. Besonders die ganz jungen Brennnesseln stecken nicht nur voller gesunder Inhaltsstoffe, sondern haben einen kräuterartigen, frischen bis süßlichen Geschmack. Inzwischen wird dies von immer mehr Gesundheitsbewussten und Genießern entdeckt – sogar Spitzenköche servieren ihren Gästen wieder Brennnessel als I-Tüpfelchen in feinen Speisen. Aber auch die Fans der alternativen Gesundküche wissen das Kraut hoch zu schätzen und peppen ihre Smoothies und Salate etwa mit Brennnesseln oder auch Brennnesselextrakt auf.

Brennnesseln enthalten Powerstoffe wie das Glückshormon Serotonin und eine Fülle an lebenswichtigen Nährstoffen. Sie liefern verschiedene Aminosäuren, komplexe Kohlenhydrate, Fettsäuren (u.a. Linolsäure), zahlreiche zellschützende Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe. Brennnesselblätter und -samen sind zudem reich an Proteinen und Kieselsäure, die für schöne Nägel und gesundes Haar sorgt. Daneben sind an Mineralstoffen reichlich das für die Blutbildung so wichtige Eisen, sowie Magnesium, Mangan, Kalzium, Phosphor und Kalium vorhanden. Kein Wunder, dass die Wildpflanze in der Volksheilkunde seit alters her als gesundes Stärkungsmittel sehr geschätzt wird. Die Brennnessel entgiftet den Körper und hilft neue Energie zu tanken. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass die Brennnessel bei Arthrose, Arthritis, Prostata- und Blasenbeschwerden und chronisch entzündlichen Darmbeschwerden wirksam sein kann.
Neben den grünen Trieben sind es vor allem die Samen, die es mit jedem Vitalitätstonikum aufnehmen können – Brennnesselsamen gilt als eines der natürlichsten und kraftvollsten Nahrungsergänzungsmittel, das traditionell besonders bei Haarausfall wahre Wunder bewirken soll. Rosshändler sollen früher Brennnesselsamen unter den Hafer gemischt haben, denn mit glänzendem Fell waren die Pferde besser verkäuflich. Die Samen schmecken im rohen Zustand knackig-frisch. Getrocknet und dann geröstet nehmen sie einen nussigen Geschmack (wie Leinsamen-Sesammischung) an. Man kann sie teelöffelweise in Müslis, Suppen, in Smoothies, in den Brotteig, unter den Honig und in Salatdressings mixen oder einfach auf ein Butterbrot streuen –  im Grunde ist der Kreativität dabei keine Grenze gesetzt.

Frische Brennnesselblätter können roh oder gekocht gegessen werden. Frisch geerntet gibt es die Brennnessel nicht zu kaufen, man muss selbst sammeln gehen. Immerhin – preiswerter kann man nicht an ein so gesundes Lebensmittel kommen. Hier erweist es sich wiederum als Vorteil, dass die Brennnessel beinahe überall zu finden ist.

Inzwischen gibt es neben Teemischungen viele Brennnessel-Produkte, wie etwa Brennnesselblattpulver oder Brennnesselsamen-Gewürzmischung, welche die Anwendung der in der Küche erleichtern. Brennnesselblätter sind außerdem in der ANCENASAN® herbal-Bitterkräutermischung enthalten.

Zu schade als Kaninchenfutter? Es gibt viele gute Gründe, Löwenzahn selber zu essen: Er schmeckt köstlich und enthält eine Vielzahl gesunder Inhaltsstoffe. Als leckeres Wildgemüse bereichert er die Küche. In der Naturheilkunde wird er traditionell im Frühjahr und im Herbst zur Entgiftungs- und Blutreinigungskur angewendet. Das Wildkraut aktiviert die Leber, fördert den Gallenfluss, wirkt harntreibend und soll außerdem das Wachstum verschiedener Krebsarten hemmen können.

 

Alles Unkraut – oder was?

Er ist so allgegenwärtig, dass wir ihm kaum Beachtung schenken – der Löwenzahn (Taraxacum) ist eine weit verbreitete Wildpflanze, die auf Wiesen und an Wegrändern, auf Brachen und sogar in Asphaltritzen bestens gedeiht. Im Mai beginnt seine Paradezeit – dann leuchten hunderte seiner sonnengelben Blüten im maigrünen Gras und signalisieren die endgültige Einkehr des Frühlings.

Nahezu berühmt ist der Löwenzahn für die wundersame Wandlung seiner Blüte: die entwickelt sich während der Ausreifung zu einem weißen, flauschigen „Puffball“, der sogenannten Pusteblume. Sie wird aus vielen federleichten Samen gebildet, die wie winzige Fallschirmchen mit dem Wind davon getragen werden. Wohl jedes Kind dürfte dabei schon einmal mit kräftigem Pusten nachgeholfen und viel Spaß dabei gehabt haben.

Löwenzahn_02Übrigens blüht der Löwenzahn im Spätsommer ein zweites Mal. Das ist gut für Bienen und andere nektarsammelnde Insekten und erklärt u. a. seine Ausbreitung. Die robuste Pflanze kann sich mit ihrer kräftigen Pfahlwurzel fest im Boden verankern. An ihrem jeweiligen Standort ist sie erstaunlich anpassungsfähig. Im kurzen Gras breitet sie ihre gezähnten Blätter flach über dem Boden aus und verdrängt so zum Leidwesen ordnungsliebender Gärtner den Rasen. An anderen Stellen kann sie neben hochwachsenden Pflanzen eine Höhe von bis zu 50 cm erreichen. In vielen Gärten ist der Löwenzahn darum nicht gerne gesehen. Wer Löwenzahn als lästiges Unkraut betrachtet und loswerden möchte, muss die winterharte Staude mit der ganzen Wurzel ausreißen, was nicht einfach ist – aus einem kleinen Wurzelstück können wieder neue Blätter treiben.

 

Löwenzahn schenkt Lebenskraft

Man täte aber gut daran, dem Löwenzahn einen Platz im Garten zu lassen. Denn dieses „Unkraut“ am Wegrand wird völlig unterschätzt. Löwenzahn ist ein wohlschmeckendes Superfood, das hervorragend in Salate, Suppen und grüne Smoothies passt. Jeder Teil der Pflanze  – von der Wurzel über die Blätter bis zur Blüte – ist genießbar und mit einer Fülle gesunder Nährstoffe ausgestattet. Nach der Kräuterkundigen Maria Treben hilft Löwenzahn vor allem der Körpermitte: bei  Leber- und Gallenbeschwerden und allgemeinen Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und Harnwegsinfektionen. Kurz gesagt, unterstützen die Inhaltsstoffe des Löwenzahns alle Verdauungsvorgänge und beeinflussen somit alle anderen Körperfunktionen. Denn nur mit einer gesunden Verdauung können Nähr- und Vitalstoffe perfekt absorbiert und jedes Organ optimal versorgt werden.

 

Allrounder dank Bitterstoffe

Löwenzahn gehört zu den Pflanzen, die eine besonders hohe Dosis an Bitterstoffen (Taraxacin und Taracein) enthalten. In der Heilkunde zählt er deshalb zu den sogenannten Bitterstoffdrogen. Bitterstoffe regeln die Verdauung auf vielerlei Weise. Sie Löwenzahn_03steigern die Magen- und Gallensaftsekretion und wirken damit appetitanregend und verdauungsfördernd. Sie entfalten ihre Wirkung unmittelbar in dem Moment, wenn sie mit unserer Zunge in Kontakt kommen. Bitterstoffe stimulieren über die Geschmacksknospen die Bildung von Magensäften sowie die Sekretion lebensnotwendiger Verdauungssäfte und -enzyme von Leber, Gallenblase und  Bauchspeicheldrüse. Das ist zunächst einmal für die Aufnahme und Verwertung essentieller Nährstoffe wichtig. Daneben werden zentrale Stoffwechselvorgänge positiv beeinflusst. Kein Wunder, dass Löwenzahn in der Naturheilkunde als Stärkungsmittel eingesetzt wird – dank seiner verdauungsoptimierenden Eigenschaften und einer Fülle an Mineralien und Vitaminen verhilft eine Löwenzahn-Kur zu spürbar mehr Energie.

 

Die Leberpflanze

Wegen seiner Bitterstoffe wird Löwenzahn außerdem in der Naturheilkunde als „Leberpflanze“ hoch geschätzt. Bitterstoffe regenerieren und kräftigen die Leberzellen. Die Leber ist unser größtes Entgiftungsorgan. Sie muss Schadstoffe aus der Nahrung, der Atemluft, von Medikamenten und Alkohol aus dem Blut filtern und unschädlich machen. Eine überlastete Leber steht am Anfang vieler Krankheiten. Abgeschlagenheit, ein hoher Cholesterinspiegel, Fettunverträglichkeit, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder auch eine trockene, juckende Haut gehören zu den typischen Symptomen. Maria Treben etwa empfiehlt vorbeugend eine 14-tägige Kur mit Löwenzahnstängeln: Dafür soll man einfach jeden Tag fünf bis zehn Löwenzahnstängel knabbern. Sie schmecken angenehm und sind ähnlich knackig wie Chicoreeblätter.

  

Löwenzahn als Diuretikum und Diabetiker-Gemüse

Es ist kein Zufall, dass der Volksmund dem Löwenzahn den Beinamen „Bettpisser“ gegeben hat. Löwenzahn ist ein starkes Diuretikum. Durch seine harntreibende Wirkung hilft der Löwenzahn, den Blutdruck zu senken und die Niere zu entlasten. Dank seines außerordentlich hohen Kaliumgehaltes gleicht er den Verlust dieses Minerals, anders als andere harntreibende Mittel, gleich wieder gut aus.

Für Diabetiker empfiehlt sich der Genuss von Löwenzahn als natürliches Regulativ für den Blutzuckerspiegel. Besonders die Wurzel ist reich an Inulin, einer Zuckerverbindung, die hilft, den Blutzuckerspiegel auszugleichen. Inulin wird im Körper nicht zu Einfachzucker abgebaut und benötigt daher kein Insulin. Wer mit dem Blutzuckerspiegel Probleme hat oder bereits an Diabetes leidet, sollte täglich eine Tasse Löwenzahntee trinken oder Löwenzahnwurzelextrakt einnehmen, da der Löwenzahn auch hier ein bestehendes Ungleichgewicht wieder harmonisieren hilft.

 

Löwenzahn gegen Krebs

Löwenzahn ist ein potenter Krebsbekämpfer. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat Löwenzahn Inhaltsstoffe, die das Wachstum von Krebszellen hemmen können, indem sie ihnen ein sog. Apoptose-Signal übermitteln. Die Apoptose ist ein natürliches Zelltod-Programm. Es sorgt dafür, dass entartete Zellen sich selbst zerstören, bevor sie den Organismus schädigen. In Studien mit Löwenzahnwurzelextrakt wurde nachgewiesen, dass die gesunden Zellen unangetastet bleiben. Sehr gute Erfolge konnte man bei Brustkrebs und Leukämie und insbesondere bei Prostata-Krebs feststellen.

 

Löwenzahn in der Küche

Als regelmäßig verzehrtes Lebensmittel schützt Löwenzahn nicht nur unsere Gesundheit. Als leckeres Wildgemüse kann er Löwenzahn_04vielfältig zubereitet unseren Speiseplan bereichern. Frische Löwenzahnblätter schmecken angenehm bitter, ähnlich wie der beliebte Rucola, Endiviensalat oder Chicoree. Wichtig ist, nur die zarten Blätter und diese möglichst vor der Blüte zu sammeln, sonst können sie wirklich sehr bitter sein. Sie können als Salat, Gemüse, Suppe, Smoothie, Frischpresssaft oder Tee genossen werden. Die süßlichen Blüten schmecken nicht nur Bienen. Aus ihnen lässt sich beispielsweise ein köstliches Gelee herstellen. Die Wurzeln lassen sich wie andere Wurzelgemüse zubereiten oder ergeben getrocknet einen sehr bekömmlichen Tee. Einen besonderen Genuss bereitet die Wurzel auch geröstet als Löwenzahn-Kaffee.

 

Rezepte und Tipps zum Sammeln und Kaufen folgen in Teil 2!

Die Wirkungen im Überblick:

Unterstützt die Funktion von Leber, Galle, Magen, Darm, Harnwege,
Nieren, Bauchspeicheldrüse.Als Naturheilmittel traditionell eingesetzt gegen Frühjahrsmüdigkeit und bei Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Hämorrhoiden, Hepatitis, Gicht,
Rheuma, trockener, schuppiger Haut, Akne, Diabetes und für das Auge und den Haarwuchs.
Regt durch verdauungs- und stoffwechselfördernde Bitterstoffe (Taraxacin, Taracein) den Gallenfluss an, unterstützt Fettstoffwechsel, wirkt appetitanregend, steigert Magensäurebildung, regt Speichelbildung an, wirkt diuretisch, entgiftend, blähungstreibend, entzündungshemmend, verbessert Hautelastizität, blutreinigend, desinfizierend, stimuliert Bauchspeicheldrüse, fördert die Bildung der „guten“ Bifidobakterien im Darm

Lesetipp/mehr zu Bitterstoffen:

http://ancenasan.de/hilfe-center/ratgeber/bitterkraeuter/

 

 

Warzen, Akne äußerlich: Warzen und entzündete Hautstellen mehrmals täglich mit dem Milchsaft (aus Blütenstängel, Blatt oder Wurzel) betupfen, bis sich die Warze aufgelöst hat (mind. 7 Tage)

Achtung: der Saft färbt die Haut gelb!

Krebs
(Brust- und Prostatakrebs, Leukämie)
antioxidativ, verursacht Apoptose (Zelltod der Krebszellen), ohne die gesunden Zellen zu schädigen

Lesetipp/Erfahrungsbericht eines Prostatakrebs-Patienten:

www.zentrum-der-gesundheit.de/loewenzahn-wurzel.html


100 g Löwenzahnblätter enthalten von der täglich empfohlenen Menge:

    9 % Ballaststoffe19 % Pyridoxin (B 6)

58 % Vitamin C

338 % Vitamin A

649 % Vitamin K

39 % Eisen

19 % Kalzium

Weitere Inhaltsstoffe:Kalium, Natrium, Cholin, Eisen, Magnesium, Phosphor, Kalzium, Biotin Vitamin E,
Inulin (präbiotischer Ballaststoff)

Zu meinen frühen Kindheitserinnerungen gehören die unbeschwerten Spiele am Rande heckenumsäumter Weiden. An manchen Stellen hatte die Natur uns Kindern Durchschlupfe gelassen, die wir natürlich als Abkürzung oder bei Versteckspielen zu nutzen wussten. Andere Bereiche der Hecken wiederum ließen nicht mit sich spaßen – dornenbewehrte Schlehdornsträucher straften allzu wagemutige Annäherungen mit schmerzhaften Pieksern. Kein Wunder – Schlehdornhecken hatten einst die Aufgabe, als „lebender Stacheldraht“ das Vieh auf der Weide zu halten und Haus und Hof zu schützen. Bis heute findet man die bis zu drei Meter hohen Sträucher in Hecken und Gebüschgruppen oder wildwachsend an sonnigen Waldrändern.

Der Schlehdorn (Prunus spinosa) oder die Schlehe ist ein dorniger Strauch, der in Mitteleuropa, Nordafrika und in Teilen Asiens wächst. Als Rosengewächs sind die Schlehen verwandt mit dem Apfel, der Pflaume, der Mirabelle und der Aprikose. Der Schlehdorn kann bis zu drei Metern Höhe erreichen und bildet zur Hecke kultiviert, eine nur schwer zu durchdringende Barriere. Als Nahrungspflanze für viele Insekten und als Brutplatz vieler Vogelarten ist er von großer ökologischer Bedeutung. Die Schlehe wird aufgrund ihrer schwarzen Rinde auch Schwarzdorn genannt.

 

Heilwirkung/Anwendung

Die Schlehe ist ein Gewächs, dessen Nutzen weit über seine Eigenschaft als natürlicher Weidezaun hinausgeht. In der Volksmedizin findet sich eine lange Liste an Beschwerden, gegen die die Schlehenblüten, -blätter und –früchte Verwendung finden. Nahezu berühmt ist die Schlehe durch einen überlieferten Satz des Kräuterpfarrers Sebastian Anton Kneipp: „Schlehenblüten sind das harmloseste Abführmittel, das es gibt“. Tatsächlich eignet sich ein Tee aus Schlehenblüten auch für Kinder, die unter Verstopfung, Blähungen oder Bauchweh leiden.

Getrocknete Blüten werden als Teeaufguss zur Blutreinigung bei Hautkrankheiten und rheumatischen Beschwerden sowie als Gurgelmittel bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. Als Hausmittel kennt man Zubereitungen aus Blüten, Blättern und Früchten außerdem zur Regulierung der Verdauung, zur Stärkung des Magens, bei verschleimten Atemwegen, bei Harnverhaltung, Steinleiden, geschwollenen Füßen und bei Hautausschlägen bei Kindern. Die Früchte werden in der Regel zu Mus oder als Likör verarbeitet als Stärkungsmittel bei Erschöpfungszuständen und in der Rekonvaleszenz eingesetzt. Die Schlehe steht in dem Ruf, den Appetit anzuregen, weshalb ein Löffel Schlehenmarmelade oder -mus morgens denen angeraten ist, die am Morgen nichts essen können.

 

Ernte

Von März bis April verwandelt sich der Schlehdornstrauch, noch bevor die Blätter treiben, in einen Traum aus weißen, zarten und duftenden Blüten. Sie bilden einen reizvollen Kontrast zu dem sonst schwarzen Holz, und für Bienen und andere nützliche Nektarsammler sind sie eine der ersten Nahrungsquellen im Frühjahr. Gesammelt werden die Blüten direkt nach dem Aufblühen. Ratsam ist, wegen der Dornen Handschuhe und robuste Kleidung anzuziehen und einen Spazierstock oder ein ähnlich konstruiertes Hilfsmittel dabei zu haben, um die oberen Zweige herunter zu ziehen.

Die Früchte sind in Farbe und Form Pflaumen sehr ähnlich, allerdings sind sie sehr viel kleiner, wie Blaubeeren. Sie reifen im Spätherbst heran und halten sich bis in den Winter an den Zweigen. Da sie auch bei vielen Vögeln eine begehrte Nahrungsquelle sind, empfiehlt es sich, von Oktober bis Anfang November sammeln zu gehen. Idealerweise werden Schlehen voll ausgereift nach dem ersten Frost geerntet, weil sie dann einen Teil der enthaltenen Gerbsäure verlieren. Ansonsten schmecken sie herb-sauer und hinterlassen ein unangenehmes pelziges Gefühl im Mund – Schlehen sind für ihre adstringierende Wirkung bekannt.

Die Ernte ist eine Herausforderung, da die Früchte einzeln von den Zweigen gepflückt werden müssen. Wer nicht auf den ersten Frost warten möchte, kann der Natur auch ein Schnippchen schlagen und den Schlehen den Kälteschock im Gefrierschrank verpassen. Erfahrene Schlehensammler berichten, dass sie die Früchte dann mehrmals für einen Tag auftauen und wieder einfrieren, um sie genießbar zu machen.

Die Früchte enthalten Steine, die nicht mitgegessen werden dürfen, da sie, wie im übrigen die Bittermandel auch, das Blausäureglukosid Amygdalin enthalten.

Die Blätter, die noch zusätzlich Gerb- und Bitterstoffe enthalten, können in Teemischungen Verwendung finden.

 

Fertigpräparate mit Schlehe

In Reform- und Kräuterhäusern, im Naturkosthandel und auf Bauernmärkten findet man eine Vielzahl von Schlehen-Produkten, die die Anwendung vereinfachen, zum Beispiel als Bestandteil der Bitterkräutermischung ANCENASAN herbal (www.ancenasan.de), als Elixier (Weleda), Saft (Pur Bio Vitalhaus), Tee (Kräuterhaus) und in Kosmetikprodukten (Hauschka).

 

Steckbrief

Anwendung als Hausmittel:

 

– Erkältungen

– Blasenleiden

– Darmträgkeit

– Hautausschläge

– Erschöpfung

– Magenschwäche

– Menstruationsbeschwerden

– Rheuma

– Gicht

– Zahnfleischentzündung

 

Volksnamen:

 

– Bockbeerli

– Haferpflaume

– Hagedorn

– Kietschkepflaume

– Sauerpflaume

– Schwarzdorn

– Heckendorn

Anwendung homöopatisch
(Prunus spinosa)- Nervenschmerzen- nervösen Kopfschmerzen

– Müdigkeit

– Schlafstörungen

Inhaltsstoffe:

 

– Gerb- und Bitterstoffe

– Flavonoide

– Cumarindervate

– Vitamin C

– Folsäure

– Amygdalin

– Apfelsäure

– ß-Carotin

– Kalium

– Kupfer

– Mangan

– Schwefel

 

Wirkung:

 

– adstringierend (zusammenziehend)

– harntreibend

– entzündungshemmend

– verdauungsanregend

– mild abführend

– blutreinigend

– wärmend

– appetitanregend

Anwendung anthroposophische Medizin:

 

– Erkältungskrankheiten

– Erschöpfungszustände

– verzögerte Rekonvaleszenz

Rezepte

Schlehenblütentee

Die Blätter und Blüten wirken, als Tee aufgebrüht, in erster Linie adstringierend, harntreibend, entzündungshemmend und leicht abführend.

1 Handvoll Blüten mit

1 l abgekochtem, max. 70 Grad heißem Wasser übergießen und ziehen lassen (abseihen ist nicht nötig)

 

 

Schlehenmarmelade

regt die Magensäfte an

1 kg frisch gepflückte und mindestens einmal durchgefrorene Beeren über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Die abgegossenen Schlehenfrüchte am nächsten Tag zusammen mit 1/4 l Weißwein und 1/8 l Wasser weichkochen. Schlehen durch ein Sieb streichen. Nochmals 1/4 l Weißwein und 375 g Zucker zu dem Mus geben und im Backofen zu Marmelade eindicken lassen.

Anstelle von Wein kann auch Essig (3 %) verwendet werden.

 

Schlehen-Fußbad

vertreibt innere Kälte

1 EL Schlehenblütenöl in einen 10-Liter-Eimer oder entsprechend große Schale geben und mit heißem Wasser auffüllen. Die Füße 10 Minuten darin baden und anschließend sofort in ein vorgewärmtes Handtuch wickeln. Anschließend 30 Minuten im Liegen nachruhen.

 

Schlehenpunsch

eine Wohltat bei Erkältungen

1 l kräftigen Schwarzen Tee mit ½ l Schlehensaft in einen Topf geben und erhitzen.

5 EL Zitronensaft, 100g braunen Zucker oder Honig sowie 5 Tl Sanddornsirup hinzufügen und gut umrühren. Je 1 Zitronenscheibe in hitzebeständige Gläser legen und den heißen Punsch darüber gießen.